Treffurt

Die Stadt Treffurt lag im 5 km Sperrgebiet. Um nach Treffurt einreisen zu können, musste man eine Kontrollstelle passieren. Die Einheimischen hatten in ihrem Personalausweis einen Stempel, der zum Aufenthalt in der Sperrzone berechtigte. Unmittelbar an der Westseite der Stadt begann der 500 m Schutzstreifen, in der auch der Berg Adolfsburg und der Heldrastein lagen, und somit für die Bewohner der Stadt unerreichbar waren. Der Zaun des Schutzstreifens, aus einem 2 Meter hohen Streckmetallzaun,  war elektronisch gesichert, so dass ein Überwinden so gut wie unmöglich war. Nacht für Nacht gingen freiwillige Grenz- und Polizeihelfer in und um Treffurt Streife. Fremde waren sofort verdächtig. Auch die Werra war mit einem Sperrwerk (Rechen) gesichert, so dass niemand schwimmend die Grenze überwinden konnte. Das Sperrwerk war so angebracht, dass die Strömung den Schwimmer unter den Rechen drückte und kaum eine Überlebenschance bestand.

Nach Öffnung der Grenze am 9. November 1989 fiel auch die Sperrzone weg. Der Zaun wurde löchrig und als erstes wurde der Berg Adolfsburg frei gegeben. Die Menschen pilgerten zum Berg, auf der verfallenen Hütte wurde die deutsche Fahne gehisst. Der Graben an der Grenze wurde verfüllt, und es entstand ein Grenzübergang nach Wanfried, zuerst nur für Fußgänger und Zweiradfahrer, kurz danach für Pkw. Der Mangel an Telefonen veranlasste viele Treffurter zur Telefonzelle nach Heldra zu fahren, um mit ihren Verwandten im Westen zu sprechen. Der Heldrastein, mit 503 Metern der höchste Berg im Werratal, war Jahrzehnte durch die Stasi besetzt, wurde durch Menschen zurückerobert und zum beliebten Ausflugsziel.

Nach der Wende hat sich Treffurt wieder zu einem schönen Fachwerkstädtchen entwickelt. Das Treffurter Rathaus zählt zu den schönsten Renaissance-Rathäusern. Die Burg Normannstein, eine der wenigen romanischen Burganlagen mit drei eng stehenden Türmen, wurde umfassend saniert. Sie ist ein weit sichtbares Zeichen der Geschichte der Stadt.

[Quelle: Grenzwanderweg in der Wartburgregion, Grünes Band Thüringen  (Februar 2006)]

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