|
Untersuhl |
|
Südlich von Untersuhl stand bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts die Aumühle. Deren Betrieb wurde lange vorher wohl aus Altersgründen eingestellt. Nachdem man den Eigentümern eine Wohnung in Untersuhl zugewiesen und sie zum Umzug dorthin gezwungen hatte, wurden die Gebäude abgerissen. Freies Sicht- und Schussfeld bekamen so die Grenztruppen der DDR. Die Mühle lag verkehrsgünstig an einer der vielen Nürnberger Straßen der Gegend, welche die einst wirtschaftlich und kulturell bedeutende Stadt mit den Nordseehäfen verband. Zudem passierte eine der Kurzen Hessen (-straße) für den Verkehr zwischen Leipzig und Frankfurt (Main) das Tal. Für beide Passagen musste Geleitschutz gewährleistet werden, warum die Kirchtürme in Berka und Untersuhl einen Auslug nach allen Seiten haben. Ein trauriges Ereignis ist erwähnenswert: Im Frühjahr 1952, ehe der erste Grenzzaun errichtet wurde, hielten sich an einem kalten Märztag DDR-Grenzpolizisten in einem Obersuhler Haus (Hessen) – gut kannte man sich mitunter – direkt an der Grenze auf, um dort auf ihre Ablösung zu warten. Das wurde einer gerade im Ort weilenden amerikanischen Militärstreife hinterbracht, die sogleich handelte. Die mündlichen Darstellungen stimmen darin überein, die Grenzer hätten nach einer kurzen tätlichen Gegenwehr versucht zu fliehen. Die amerikanischen Soldaten reagierten überzogen, die Gewehrsalven trafen tödlich. Später erfuhren junge Grenzsoldaten regelmäßig – und so lernten es auch die Schulkinder – die beiden Grenzpolizisten wären auf ostdeutscher Seite bei der Ausübung ihres Dienstes hinterrücks erschossen und dann auf die westliche Seite verschleppt worden. [Quelle: Grenzwanderweg in der Wartburgregion, Grünes Band Thüringen (Februar 2006)] |
|
|
|